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Stil ist die Fähigkeit komplizierte Dinge einfach zu sagen, nicht umgekehrt.

Stil ist die Fähigkeit komplizierte Dinge einfach zu sagen, nicht umgekehrt

Seit ich schreiben kann, schrieb ich: Briefe, Tagebuch, Geschichten, Gedichte,… einfach alles. Und es fühlte sich schon immer gut an, etwas geschrieben zu haben. Als ich mir ernsthaft überlegte, was ich beruflich machen soll, war schnell klar: Ich möchte Journalistin werden. Bei dem Lüneburger Stadtmagazin „salziger“ machte ich mein Schülerpraktikum. Meine erste Meldung, meine ersten Veranstaltungsankündigungen, meine ersten Texte. Das erste Mal, das etwas von mir in einem Magazin abgedruckt wurde. Was für ein Gefühl!

Ein paar Wochen später besuchte ich mit meiner Schulklasse die Redaktion einer Tageszeitung. Perfekt für mich um alles herauszufinden, was ich wissen muss. Ich stellte alle meine Fragen einem Redakteur. Leider hatte er scheinbar einen miesen Tag. Er erzählte mir, wie schlimm sein Job sei. Bis spät in die Nacht würden sie dort arbeiten, sich streiten und anschreien, wer denn nun die bessere Story hätte, um möglichst weit vorn im Blatt zu landen und mehr zu verdienen – nicht nur Geld, sondern auch Ansehen. Für Menschen, die mal eine Familie haben möchten, sei dieser Job nichts. Denn wenn irgendwo etwas passiert, muss der Redakteur alles stehen und liegen lassen, um zum Ort des Geschehens zu eilen und darüber berichten.

Schreckliche Vorstellungen machten sich in mir breit. Und große Zweifel. Und nun? Lernte ich halt was „Vernünftiges“ und machte eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Und doch zog es mich immer wieder an die Schreibfeder.

2017 entschied ich mich für einen beruflichen Neustart. Gemeinsam mit einem Coach suchte ich nach Möglichkeiten, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich bewarb mich bei einigen kleinen Stadtmagazinen in Lüneburg. Bei Julia Böthig vom BeneFit Magazin durfte ich ein Praktikum machen. Aus dem Praktikum wurde ein Job – mit Familienanschluss. Ihr Büro ist in ihrem Haus. Mittagessen fand mit der ganzen Familie im Esszimmer statt.

18 Ausgaben und einige Specials haben wir bis Ende 2020 gemeinsam produziert. Ich erinnere mich an meine erste Lektion: „Stil ist komplizierte Dinge einfach zu sagen, nicht umgekehrt.“ Sofort hatte ich keine Angst mehr, ob ich gut genug schreiben kann. Denn „einfach“ kann ich. Und schreiben durfte ich vom ersten Tag an. Es folgten drei Jahre, während der ich zwanzig Stunden die Woche mit in ihrem Büro saß. Ich schrieb, löschte wieder, tippte, schnaufte, lächelte, schickte ab. Und Julia brachte mir jede Menge bei.

Nun habe ich eine Menge gelernt und werde flügge. Von 2021 an bin ich freiberufliche Journalistin. Die Tür zur BeneFit lehne ich nur ein bisschen an. Ich hoffe, sie bleibt mir noch lange offen stehen. Trotzdem öffne ich nun das Fenster gegenüber und schnuppere nach frischer Luft in anderen Verlagen.

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